Die Bethanien-Schwesternschaft in Hamburg

Im Jahr 1878 bat Prediger Carl Frischkorn aus Wandsbek den Bethanien-Verein in Frankfurt/Main, eine Diakonisse für die Pflege seines an Diphterie erkrankten Kindes zu entsenden. Doch noch bevor Schwester Luise Schmidt eintraf, verstarb das Kind. Schwester Luise kümmerte sich daraufhin um die gesundheitlich geschwächte Mutter und besorgte den Haushalt. Bald trug der Hausarzt der Familie ihr eine Privatpflegestelle an und erbat weitere Diakonissen für die häusliche Krankenpflege in der Hansestadt.

Am 5. März 1879 nahm der Bethanien-Vorstand Hamburg als „Station“ auf. Die Schwestern wohnten zunächst im Gemeindehaus der Methodistenkirche im Stadtteil St. Georg, Kleiner Kirchweg 10. 1883 eröffnete Dr. Aly in der Wohnung der Schwestern eine freie Poliklinik.

Mit Spendengeldern konnte 1886 ein Hausgrundstück am Grindelberg 15 a gekauft und auf den Namen „Schwesternheim Bethanien“ eingetragen werden, nachdem der Senat den Bethanienverein als wohltätige Anstalt anerkannt und die Rechte einer juristischen Person verliehen hatte. Ein Jahr später wurde das Nachbargrundstück hinzugekauft.

Die Zahl der Schwestern wuchs. Der Wunsch nach einem eigenen Krankenhaus verstärkte sich. Senat und Bürgerschaft der Stadt Hamburg überließen dem Bethanien-Verein unentgeltlich einen Bauplatz in der Martinistraße. 1892 genehmigten die Behörden dort die Errichtung einer Diphterie-Baracke. Daraus wurde bis zur Eröffnung 1893 ein vollwertiges Krankenhaus, das bis 1979 als Akutklinik fungierte. Im Zuge der Krankenhausreformen der 1970er-Jahre wurde der Betrieb nun auf eine Nachsorgeklinik umgestellt – es war die erste innerhalb der Hansestadt Hamburg. 2011 fusionierte das Krankenhaus Bethanien mit den Krankenhäusern Alten Eichen und Elim in einem Klinikneubau in Eimsbüttel – dem AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM HAMBURG.

Ein eigenes Feierabendheim bekamen die aus dem Dienst entpflichteten Diakonissen 1928. Er war zusammen mit einem neuen Schwesternheim auf dem Gelände vis-à-vis vom Bethanien Krankenhaus errichtet worden – auf dem Baugrundstück der jetzt entstehenden Bethanien-Höfe Eppendorf. Zwischen 1958 bis 1963 folgten weitere Bauaktivitäten: So kamen ein viergeschossiges Bettenhaus mit einer medizinischen und chirurgischen Abteilung, Schwestern- und Personalwohnheime, eine Krankenpflegeschule, ein Speisesaal, die Mutterhauskapelle sowie eine Überbrückung der Martinistraße hinzu.

Seit 1978 widmen sich die Bethanien-Schwestern auch besonders der Pflege und Betreuung alter Menschen. Am 1. September eröffneten sie in der Husumer Straße 22 ihr erstes Altenheim mit Ein- und Zweibettzimmern für 37 Bewohner sowie mehreren Gemeinschaftsräumen, unter anderem zur Durchführung von Beschäftigungs- und Bewegungstherapien. Es folgte die Umwandlung des Berliner Sophienkrankenhauses in ein Altenpflegeheim (1997) und Bezug eines Pflegeheimneubaus (2002) sowie 2007 – ebenfalls in Berlin – die Neueröffnung des Bethanien Havelgarten mit einer Seniorenresidenz und einem vollstationären Pflegebereich.

Mit dem Bauvorhaben „Bethanien-Höfe Eppendorf“ hat die Bethanien Diakonissen-Stiftung als Rechtsnachfolgerin der Hamburger Schwesternschaft (Schwesternheim Bethanien r.V.n.a.h.R.) nun ein weiteres Großprojekt für die Altenhilfe angeschoben.